„Vergiss mein nicht“

Filmemacher David Sieveking über Selbstbestimmtheit und Würde im Alter

Dement sein und trotzdem ein Stück weit selbstbestimmt leben? David Sieveking ist sich sicher: Das geht. Der Berliner Filmemacher muss es wissen, hat er doch seine an Alzheimer erkrankte Mutter intensiv begleitet. Was er dabei erlebte, hat er in der preisgekrönten Doku „Vergiss mein nicht“ und im gleichnamigen Buch verarbeitet.

Wie kommt man mit Anfang, Mitte 30 dazu, sich mit dem Alter, mit Gebrechlichkeit und Demenz zu beschäftigen? Im Fall David Sievekings ist es das Leben selbst, die Geschichte seiner Familie, die ihn dazu zwingt. Sein Vater Malte, der sich seit Jahren um die demenzkranke Gretel kümmert, ist irgendwann so erschöpft, dass er eine Auszeit braucht. An diesem Punkt übernimmt Sohn David die Pflege der Mutter. Doch nicht nur das: Ganz Filmer, der er nun mal ist, beschließt er in Absprache mit der Familie, die Zeit mit seiner Mutter in einem Dokumentarfilm festzuhalten. Er macht dabei Erfahrungen mit dem Alter, mit Gebrechlichkeit und Demenz, die gängigen Vorstellungen Hohn sprechen.

Selbstbestimmtes Leben bei Demenz?

Dass ein Leben mit Demenz ein Leben ohne eigenen Willen und in totaler Abhängigkeit sein muss – das ist so ein Stereotyp, dem der Filmemacher entschieden widerspricht: „Meine Mutter konnte auch mit fortgeschrittener Demenz noch selbst bestimmen“, sagt er. „Oft mehr, als uns lieb war.“ So habe sich Gretel zum Beispiel gesträubt, auf Kommando ins Badezimmer zu gehen oder ins Auto zu steigen. Ihr Widerwille ist der letzte Teil ihres Egos, der um sein Dasein kämpft, so sah es Sievekings Vater. Sohn David sagt, er habe sich gefreut, dass Gretel noch einen Willen zeigte: „Wenn sich jemand sträubt, ist das immerhin ein Lebensbeweis!“ Und wenn er zunächst noch beunruhigt war, weil seine Mutter die Angewohnheit entwickelte, am helllichten Tag – beim Essen oder während einer Unterhaltung – plötzlich die Augen zu schließen, änderte er später diese Sichtweise: „Als ich einmal während eines Publikumsgesprächs nach einer Filmvorführung darüber klagte, wie meine Mutter ihre Selbstständigkeit verloren hatte, stand eine Frau auf und rief: ,Hat sie ja gar nicht! Sie hat einfach die Augen zugemacht, wann sie wollte!‘“

Würde im Alter – alle sind gefragt

Im Alter die Würde, die Anerkennung anderer zu verlieren, dies ist vielleicht eine der größten Ängste vieler Menschen. David Sieveking sieht hier die Gesellschaft als Ganzes gefragt: „Man kennt ja das afrikanische Sprichwort ,Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen‘“, sagt er. „Genauso ist es mit pflegebedürftigen Menschen im Alter. Wenn das würdig ablaufen soll, braucht es nicht nur ein paar Leute, sondern ein ganzes Netzwerk von Personen und Einrichtungen. Einzelne gehen an dieser Aufgabe kaputt, aber wenn Betreuung und Pflege auf viele Schultern verteilt wird und man sich auf die Unterstützung der Gesellschaft verlassen kann, dann wird es machbar und erträglich.“ Vor allem müsse die Gesellschaft, wenn sie eine würdige Pflege wünsche, diejenigen mehr wertschätzen, die pflegen. Dies gilt für pflegende Angehörige, aber auch für professionelle Kräfte: Die Altenpflege sei als Beruf noch immer nicht attraktiv genug für junge Leute, kritisiert Sieveking und fordert: „Altenpfleger müssten als Alltagshelden gepriesen werden!“

Keine Panik vor dem Alter

Und selbst? Wie denkt Filmer David Sieveking über das eigene Alter? „Ich gehe das Thema Alter und Demenz nach der Erfahrung mit meiner Mutter insgesamt gelassener an. Das ist gesund, denn Panik bringt nichts. Angst und Verzweiflung lassen die Probleme nur noch früher und stärker kommen.“ Außerdem seien viele Ängste und Vorstellungen rund um Alzheimer reine Klischees. Es lägen Welten zwischen etwas Vergesslichkeit und Zerstreutheit, über die wir erschrecken, und der Wirklichkeit einer echten Demenz, in der man seinen Alltag nicht mehr alleine bewältigen kann. „Da sollte man sich nicht zu früh verrückt machen und ein möglichst gutes, erfülltes Leben führen – ohne Gesundheitshysterie, die vor allem Ängste schürt, irgendetwas falsch zu machen, anstatt das Leben zu genießen!“

 

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