Der Nachbar, mein Pfleger

Johanna Jaeche ist 83 Jahre alt. Ihre Knochen tun weh, ohne Hilfe kann sie kaum stehen. Doch trotz ihrer Einschränkungen will sie nicht in ein Pflegeheim. Sie will in ihrer Wohnung bleiben. Diesen Wunsch lebt sie bis heute. Und einer, der ihr dabei hilft, ist Hans Herrmann Perlwitz. Er ist ihr Nachbar und für 20 Stunden am Tag ihr Pfleger. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Beziehung, die mit einer Beleidigung begann.
Es ist Herbst 1994. Johanna Jaeche und Hans Herrmann Perlwitz begegnen sich zum ersten Mal. Am Vormittag kommt er aus einem Supermarkt, trägt Einkaufstüten in der Hand. Die Rentnerin kreuzt seinen Weg und fragt: „Was machen Sie zu dieser Zeit hier? Haben Sie etwa keine Arbeit?“ „Doch, doch“, sagt Perlwitz. Er sei Pförtner und arbeite eher in der Nacht. Irritiert geht er weiter. Merkwürdige Dame, denkt er sich.

Heute weicht er dieser Dame nicht mehr von der Seite. Sanft gleitet er mit dem Kamm durch ihr weißes Haar. Sie schaut aus dem Fenster und blickt aus ihrer Wohnung auf einen kleinen Park. „Sitzt die Frisur?“, fragt die 83-Jährige. Perlwitz nickt. „Alles schick, meine Liebe. Wir können losgehen.“ Der 72-Jährige reicht ihr die Jacke, setzt sie in den Rollstuhl, in ihren „Mercedes“, wie sie ihn nennt. Dann rollt er los, der kleine Wagen.

Perlwitz und Jaeche gehen fast täglich spazieren. Sie verbringen viel Zeit miteinander. Er ist 20 Stunden am Tag mit ihr zusammen. Er macht ihr Frühstück, kocht ihr Mittag und bereitet ihr Abendbrot, begleitet sie zur Bank, zur Gymnastik, legt sie schlafen, wäscht sie und
unterstützt sie bei jedem Schritt, den sie in ihrem Leben macht. „Manchmal möchte ich nicht mehr sein“, sagt die 83-Jährige, „aber er zieht mich immer wieder raus.“

 

Die erste Begegnung ist mehr als 20 Jahre her. Es war eine kleine Beleidigung auf offener Straße. „Bislang gab es keine Entschuldigung“, beschwert sich Perlwitz. „Warum auch?“, entgegnet Jaeche, „man muss sich ja erst mal vortasten.“ Ein kurzer Moment der Ausdruckslosigkeit in ihren Gesichtern, bis sich ihre Münder zu einem breiten Lächeln aufziehen. Jaeche und Perlwitz, das spürt man schnell, verstehen sich blind.

Eigentlich sind sie nur Nachbarn. Sie leben in einem großen Wohnhaus in Berlin-Kreuzberg, er im vierten, sie im zweiten Stock. Nach der ersten Begegnung folgte die nächste. Bis sie sich irgendwann verabredeten: Sie machten Spaziergänge, gingen ins Kino, trafen sich zum Kaffeetrinken, fuhren gemeinsam in den Urlaub. Ob daraus eine Liebe wurde? „Es ist“, sagt Perlwitz, „ein bisschen Liebe.“

Zwischen dem Junggesellen und der geschiedenen Rentnerin ist eine Freundschaft entstanden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Unter Freunden ist es nicht leicht, mit anzusehen, wenn die körperlichen Kräfte des anderen nachlassen. Mit den Jahren plagen Johanna Jaeche zunehmend Schmerzen in der Schulter. Bandscheibenvorfälle und gebrechliche Knochen setzen ihr zu. Vor fünf Jahren stand sie nachts aus ihrem Bett auf. Plötzlich gaben ihre Beine nach. Sie krachte mit ihrem Kopf gegen einen Glasschrank und fiel zu Boden. Sie blieb unverletzt, aber der Schock saß tief.

 

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