„Wer keine Aufgabe hat, gibt sich auf.“

Ältere Menschen müssen der Jugend nicht nacheifern. Aber sie sollten so lange wie möglich ein Leben in Selbstständigkeit führen. Nur wer Geist und Körper fordert, lebt glücklich. Im Interview erklärt Ursula Lehr, Deutschlands bekannteste Gerontologin, worauf es im vierten Lebensalter ankommt – ob mit oder ohne Hilfe anderer.

 

Frau Lehr, ab wann ist man alt, gibt es diesen Zeitpunkt überhaupt?

Ursula Lehr: Das ist schwierig zu beantworten. Es gibt gigantische Unterschiede. Es gibt Leute, die mit 85 Jahren noch Marathon laufen. Und es gibt andere, die mit 70 Jahren im Rollstuhl sitzen.

Das Wohlbefinden ist eben keine Frage des Alters.

Ursula Lehr: Sicherlich nicht. An der Anzahl der Jahre lässt sich nichts festmachen. Je älter wir werden, desto weniger sagt unser Alter etwas über unsere Fähigkeiten und Verhaltensweisen aus. Das Bild von älteren Menschen hat sich enorm gewandelt. Das Alter hat früher mit der Verrentung und der Pensionierung angefangen. Heute spricht man eher von einem Neustart, von einem Neuanfang. Es ist der Beginn einer aktiven Phase. Erst mit 80 oder 85 Jahren beginnt die sogenannte Phase der Hochaltrigkeit oder auch das vierte Lebensalter.

Im hohen Alter gibt es viele, die auf andere angewiesen sind. Inwiefern fällt es schwer, die Kontrolle abzugeben?

Ursula Lehr: Das ist nicht einfach. Selbstbestimmtheit spielt eine wichtige Rolle. Es ist nicht unser Lebensziel, unser Schicksal in fremde Hände zu legen. Häufig zwingt uns unsere Umwelt zur Unselbstständigkeit. Viele ältere Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Das beginnt bei alltäglichen Dingen, etwa wenn man eine Treppe ohne Geländer vor sich hat. Dann muss man jemanden um Hilfe bitten. Und das tut man selten gern.

Können pflegende Angehörige auch überfürsorglich sein?

Ursula Lehr: Auch der kranke Mensch trägt gesunde Teile in sich, die gestärkt werden müssen. Insofern müssen wir bei Pflegebedürftigen darauf achten, dass ihnen Möglichkeiten der körperlichen Aktivität und der geistigen Anregung gegeben werden. Der verstorbene Mediziner Viktor von Weizsäcker traf es ganz gut: Gesundheit haben wir nicht in die Wiege gelegt bekommen. Gesundheit ist nur dort vorhanden, wo sie in jedem Augenblick neu erkämpft wird. Das ist schon sehr wichtig. Häufig erklären wir Menschen zu schnell für pflegebedürftig.

Wie groß ist die Gefahr, sich im hohen Alter aus dem Leben zurückzuziehen?

Ursula Lehr: Manche resignieren, weil sie beispielsweise ihren Ehepartner verloren haben oder körperlich eingeschränkt sind. Es gibt häufig Altersdepressionen. Das geht in Einzelfällen so weit, dass manche sich fragen, warum sie eigentlich noch aufstehen sollen. Warum soll ich die Wohnung machen? Warum soll ich Essen kochen? Ein Brötchen tut’s auch. Manche bleiben lieber im Bett. Doch das ist eine große Gefahr.

Wie kommt man aus einer Alterskrise heraus?

Ursula Lehr: Jeder Mensch braucht eine Aufgabe. Wer keine Aufgabe hat, gibt sich auf. Irgendetwas, das Spaß macht. Und sei es nur, dem Nachbarsmädchen im zweiten oder dritten Schuljahr beim Deutschlernen zu helfen. Unbedingt wichtig ist auch das Internet. Es eröffnet einem die Welt. Es vergrößert den eigenen Lebensraum. Man holt Informationen ein und kann seine Kontakte besser pflegen. Ich erinnere mich an eine 94-jährige Frau in einem Altenheim, die ihren Sohn seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat, weil er in Australien lebt. Ein Junge, der mit der 94-Jährigen in Kontakt stand, kam dann auf eine pfiffige Idee.

Welche?

Ursula Lehr: Der Junge ging mit seinem Laptop unter dem Arm zur Heimbewohnerin und fragte sie: „Wollen Sie Ihren Sohn mal sehen?“ „Ich würde schon, aber das geht doch nicht.“ Dann klappte der 12-Jährige den Bildschirm hoch. Sie war begeistert und ergriffen. Sie telefonierte mit ihrem Sohn von Angesicht zu Angesicht im Internet. Dann hat sich diese Frau selbst einen Laptop gekauft und sich das Surfen beigebracht. Alles ist möglich.

Gibt es etwas, wovon man nur im Alter profitieren kann?

Ursula Lehr: Altern ist geprägt von der eigenen Biografie, vom eigenen Schicksal. Auch, und das ist interessant, durch die Schwierigkeiten und Belastungssituationen, denen ein Mensch im Leben ausgesetzt war. Früher hatte man noch gesagt, dass Menschen, die Schlimmes erlebt haben, früher sterben. Heute wissen wir, dass diese Menschen gestählt sind und eine gewisse Immunität gegen Belastungssituationen haben. Und von diesen Situationen gibt es im Alter einige.

 

 

 

 

 

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